Auf Wiedersehen, Piraten!

So, ich muss es noch verbloggen: Ich bin am Samstag direkt nach Sekors Wahl zum großen Vorsitzenden aus der Piratenpartei ausgetreten.
Was danach — bis jetzt — passiert ist, hat mich in diesem Entschluss eher bestätigt als zweifeln lassen.
Ja, die zarten Anfänge der “Foyerpiraten” — einer Strömung, in der ich mich vielleicht heimisch fühlen könnte — habe ich so verpasst, aber trotzdem:
Die Stimmung in der Halle in Halle war ein so unerträgliches “Wir zeigen den Sch…-Linken jetzt mal, wo der Hammer hängt!”, dass ich da nicht mehr dabei sein wollte. Sofia hat es hier wahrscheinlich zu sehr übertrieben, aber die Assoziation kam mir auch.
Was danach passierte: Einige der in den Querelen der letzten Monate gegangenen kehren zurück und werden mit offenen Armen empfangen. Es gibt “Angebote”, der unterlegenen Strömung Hände zu reichen. Meinem Eindruck nach mit der Bedingung der vollständigen Kapitulation verbunden. Es gibt den verständlichen Wunsch, dass jetzt endlich Ruhe einkehren möge.
Was fehlt: Eine Aufarbeitung dessen, was da passiert ist.
Ich persönlich finde immer noch mehr als unerträglich, wie mit Anne im Verlauf des sogenannten Bombergates umgegangen wurde. Und solange ich den Eindruck habe, dass diejenigen, die in Halle die 2/3-Mehrheit gestellt haben, und diejenigen, die deswegen jetzt zurückkehren, diesen “Sieg” als Rechtfertigung sehen, dass sie im ganzen Verlauf ja alles richtig gemacht haben, bringt mich nichts zurück.
Ähnliches gilt für den anderen großen Streitpunkt: die blöden Flaggen … Es ist schon lächerlich genug, woran sich das entzündet. … Wenn mit Sekors Wahl einher geht, dass es jetzt hoheitliche Meinung der Partei ist, dass die Antifa-Flagge Gewalt symbolisiert und in der Partei geächtet wird, dann bringt mich auch nichts zurück. … (Interessanter Neben-Aspekt: Für mich symbolisiert diese schwarz-rot-goldene Flagge, die jetzt gerade wieder überall — nicht nur verloren irgendwo hinten links an der Brüstung — hängt, Gewalt — strukturelle Gewalt gegen Migrant*innen, gegen die Nicht-Privilegierten unserer Gesellschaft. Nein, das macht natürlich nicht alle, die dabei mitmachen, zu $Irgendwas.)
Nein, es kann nicht einfach Ruhe einkehren, solange die einen meinen, hier wurde eine gemeingefährliche linke Unterwanderung von einem heldenhaften Jetzt-Bundesvorsitzenden gestoppt, und die anderen (mich eingeschlossen) meinen, dass hier eine Bedrohung halluziniert wurde, was dann (absichtlich oder unabsichtlich) zum Wunsch führte, die Menschen, denen diese Bedrohung zugeschrieben wurde, möglichst weitgehend kaltzustellen, wenn nicht sie gleich ganz aus der Partei zu vertreiben. Solange diese Interpretationen mehr als offensichtlich durch die Partei wabern, ist “Ruhe” nur eines: ein frommer Wunsch
Ihr, liebe Pirat*innen, müsst das nicht aufarbeiten. Ich fände es gut, um vielleicht irgendwann zurückkehren zu können, aber Ihr könnt es meinetwegen gerne lassen und mit “nicht rechts, aber auch bloß nicht zu links” versuchen. Ist dann halt nicht meins, muss es ja auch nicht sein. Hoffentlich wird aus Klaus’ Plan etwas, dann braucht es das vielleicht noch ein bisschen weniger. Aber schade wär’s scho’ irgendwie.
In diesem Sinne:
Auf Wiedersehen!

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2 thoughts on “Auf Wiedersehen, Piraten!

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