Boah, #Bombergate

Ja, jetzt hat auch mein Landesverband eine Stellungnahme zu einem offensichtlich sehr wichtigen Thema. Ich wollte, wenn überhaupt dann eine andere. Diese hier (geändert von „wir“ in „ich“, da ja nicht beschlossen):

Die innerparteilichen Diskussionen der letzten Wochen, insbesondere das sogenannte „#Bombergate“, zu dem bereits der Bundesvorstand und verschiedeneLandesvorstände Stellungnahmen abgegeben haben, haben auch in unserem Landesverband zu großem Unmut und Austritten bis hin zum Austritt unseres Landesvorsitzenden geführt.

Auslöser für die jüngsten Diskussionen ist die Aufnahme einer Aktivistin in Dresden vom 13. Februar 2014, die sich „Thanks Bomber Harris“ auf den Oberkörper geschrieben hatte. Nach Angaben einer Boulevard-Zeitung handelt es sich hierbei um eine Kandidatin der Piratenpartei für die kommenden Europa-Wahlen. Ebenfalls nach Angaben dieser Zeitung bestreitet sie dies. Die Kandidatin selbst hat sich hierzu noch nicht geäußert. Sie ist seit der Veröffentlichung massiven Anfeindungen und Bedrohungen ausgesetzt. Im Zuge der Diskussionen äußerten auch andere mehr oder weniger bekannte Pirat*innen ähnliche Slogans.

Den Alliierten des Zweiten Weltkriegs für die Befreiung der Welt von der nationalsozialistischen Diktatur zu danken, ist absolut richtig. Ich halte die Verkürzung auf einen Dank an Sir Arthur Harris für die Bombardierung Dresdens aber für unpassend. Sie birgt die Gefahr, als unterschiedslose Verhöhnung der Opfer wahrgenommen zu werden. (Ergänzung, die ich nicht beantragt hatte: Außerdem ist Harris aufgrund seiner Rolle bei der Niederschlagung von Aufständen im Nahen Osten vor dem Zweiten Weltkrieg und der rassistischen Begründung derselben nicht zur Glorifizierung geeignet.)

Auf der anderen Seite ist die – ebenfalls in der Diskussion mehrfach aufgetretene – Bezeichnung der Bombardierung als „Massenmord“ inakzeptabel und gefährlich. Sie spielt genau dem Versuch von Nationalisten in die Hände, durch Bezug auf die Bombardierungen die Verbrechen der Nationalsozialisten zu relativieren. Die Bombardierung Dresdens muss immer im historischen Kontext dieser singulären Verbrechen gesehen werden.

Ich weiß nicht, ob sie besser als die beschlossene gewesen wäre oder wir es besser gleich wie der nicht existente Kreisverband Esslingen hätten tun sollen. Ist jetzt auch zu spät.